Warum KI-Suchsysteme manche Firmen empfehlen – und andere ignorieren

Kurzfassung

Google AI Overviews, ChatGPT und Perplexity nennen immer wieder dieselben Firmen – während andere unsichtbar bleiben. Der Grund liegt nicht in besserem SEO, sondern in der Art, wie KI-Systeme Quellen identifizieren. Firmen mit klarer Entity-Struktur, konsistenten Daten und eindeutiger Positionierung werden bevorzugt. Dieser Artikel erklärt die technischen Mechanismen und zeigt konkrete Lösungen.

Warum KI-Suchsysteme manche Firmen empfehlen – und andere ignorieren

Ein Beitrag von Marcus A. Volz – dein Ansprechpartner für semantisches Online-Marketing und Entity-Optimierung.

Das Problem: Immer dieselben Firmen in KI-Antworten

Viele Unternehmen stellen derzeit dieselbe Frage:

Warum werden bei Google AI Overviews, ChatGPT oder Perplexity immer wieder dieselben Firmen genannt – während andere, fachlich vergleichbare Anbieter nicht vorkommen?

Die Antwort liegt nicht in besserem Copywriting, nicht in mehr Content und nicht in „KI-SEO-Tricks". Sie liegt in der Art, wie moderne Such- und Antwortsysteme Quellen identifizieren, abgleichen und priorisieren.

Viele Unternehmen investieren in klassische SEO-Maßnahmen und wundern sich, warum sie zwar ranken, aber nicht zitiert werden. Der Grund: Ranking und Entity-Confidence sind unterschiedliche Metriken.

Wovon wir sprechen – und wovon nicht

Wenn im Folgenden von „KI-Suchsystemen" die Rede ist, sind zwei unterschiedliche, aber verwandte Systemtypen gemeint:

LLM-basierte Antwortsysteme

Beispiele: ChatGPT, Claude, Perplexity

Funktionsweise: textgenerierend, quellenaggregierend, probabilistisch

Suchmaschinen mit generativen Antworten

Beispiele: Google AI Overviews (Gemini), Bing Copilot

Funktionsweise: suchbasiert, entitätsgestützt, stark Knowledge-Graph-abhängig

Diese Systeme unterscheiden sich technisch, greifen aber auf ähnliche Grundprinzipien zurück:

  • Entitäten statt Seiten
  • Kontextaggregation statt Einzelranking
  • Quellenpriorisierung statt Ergebnislisten

KI empfiehlt keine Webseiten – sie nennt Quellen

Der zentrale Denkfehler vieler Unternehmen lautet:
„Unsere Website ist gut, also müssten wir genannt werden."

Moderne KI-Systeme arbeiten jedoch nicht seitenzentriert, sondern quellenzentriert.
Sie fragen implizit:

Welche Firma / Organisation / Quelle ist für dieses Thema eine sichere Referenz?

Eine einzelne Seite kann hervorragend sein – wenn dahinter keine klar erkennbare Entität steht, bleibt sie zitationslos.

SEO optimiert Auffindbarkeit.
Entity-Optimierung sichert Zitierwürdigkeit.
Beides ist notwendig – aber nicht dasselbe.

Der technische Kern: Wie KI Firmen überhaupt erkennt

Ohne tief in Modelle einzusteigen, lassen sich die zentralen Mechanismen klar benennen.

Entity Recognition & Knowledge Graphs

Suchsysteme versuchen, Informationen eindeutig Entitäten zuzuordnen:

  • Unternehmen
  • Organisationen
  • Personen
  • Marken

Diese Entitäten werden mit Eigenschaften verknüpft:

  • Name
  • Typ (z. B. LocalBusiness, ProfessionalService)
  • Tätigkeitsfeld
  • Ort
  • Beziehungen

Je klarer diese Zuordnung gelingt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass eine Firma als Quelle genutzt wird.

Knowledge-Graph-Reconciliation (der kritische Punkt)

Systeme gleichen Informationen quellenübergreifend ab:

  • Website
  • Google Unternehmensprofil
  • Plattformprofile
  • Erwähnungen
  • Strukturierte Daten

Dabei geht es nicht um Durchschnittswerte, sondern um Widerspruchsfreiheit.

Beispiel eines problematischen Profils:

  • Website: „Online-Marketing-Agentur"
  • Google Profil: „Webdesign"
  • LinkedIn: „Beratung & Coaching"

Für Menschen: erklärbar
Für Maschinen: keine stabile Entität

Technischer Hintergrund: Systeme versuchen, Informationen über Named Entity Linking zusammenzuführen. Bei Widersprüchen sinkt der Confidence Score für die Entity-Auflösung. Unterhalb einer internen Schwelle wird die Quelle nicht verwendet – selbst wenn jede Einzelinformation korrekt ist.

Ergebnis: Die Firma wird nicht empfohlen – nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil sie nicht eindeutig zuordenbar ist.

Strukturierte Daten als Identitätsanker

Schema.org-Markup ist kein Ranking-Hebel, sondern ein Disambiguierungswerkzeug.

Es hilft Systemen:

  • Entitätstypen eindeutig zu erkennen
  • Tätigkeiten einzugrenzen
  • Mehrdeutigkeiten zu reduzieren

Konkret: LocalBusiness mit spezifischem serviceType ist besser als Organization mit vaguer description. Präzise Typisierung schlägt generische Markup-Dichte.

Ohne konsistente Inhalte bleibt auch gutes Markup wirkungslos – aber ohne Markup wird Zuordnung unnötig schwer.

Warum manche Firmen „verständlich" sind – und andere nicht

In der Praxis zeigen sich immer wieder dieselben Muster. Firmen, die genannt werden, zeichnen sich selten durch „bessere Texte" aus, sondern durch strukturelle Klarheit.

Die entscheidenden Faktoren lassen sich konkret operationalisieren:

Klarheit

  • Eindeutiger Hauptfokus
  • Klarer Schema.org-Typ
  • Eine primäre Leistungsbeschreibung

Konsistenz

  • Gleiche Kernaussagen über alle Datenquellen
  • Konsistente NAP-Daten (Name, Address, Phone)
  • Gleiche Terminologie

Fokus

  • Thematische Cluster statt Leistungsliste
  • Bewusste Abgrenzung
  • Kein „alles für alle"

Erfahrung

  • Praxisnahe Inhalte statt Werbesprache
  • Konkrete Problemkontexte
  • Erkennbare thematische Tiefe

Der Unterschied:

❌ „Wir sind Ihr Partner für digitale Transformation"
✅ „Wir haben die CRM-Migration für mittelständische Produktionsbetriebe standardisiert – inklusive Datenbereinigung und Mitarbeiterschulung innerhalb von 8 Wochen."

Der zweite Satz zeigt konkrete Erfahrung und spezifischen Fokus. Das ist entity-verifying content.

Stabilität

  • Keine häufigen Repositionierungen
  • Keine wechselnden Kernaussagen
  • Langfristige Wiederholung

Das sind keine weichen Faktoren, sondern maschinenrelevante Signale.

Warum klassische SEO hier an Grenzen stößt

Entity-basierte Suche ist nicht neu. Google arbeitet seit Jahren mit Entitäten.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Prinzip, sondern in der Direktheit der Auswahl:

Klassische Suche zeigt viele Ergebnisse und überlässt die Auswahl dem Nutzer.

KI-Systeme müssen selbst auswählen und tragen damit Verantwortung für die Empfehlung.

Diese Auswahl zwingt Systeme dazu, Unsicherheit zu vermeiden. Unklare, widersprüchliche oder überdehnte Firmenprofile werden deshalb nicht genannt, selbst wenn sie ranken.

Das „Trolli Paradox": Firmen können bei „Beste Handwerker München" auf Position 3 ranken und trotzdem in KI-Antworten nicht vorkommen – weil Ranking und Entity-Confidence unterschiedliche Metriken sind.

Klassische SEO bleibt wichtig für Traffic. Aber Zitierwürdigkeit erfordert zusätzliche Maßnahmen. Mehr dazu findest du auch in unserem Artikel über die richtige Pflege von Evergreen-Content, der diese Prinzipien auf langfristige Sichtbarkeit überträgt.

Beobachtungsmuster aus der Praxis

Ohne fingierte Studien lassen sich klare Muster benennen:

Szenario: Zwei fachlich vergleichbare Firmen

  • Gleiche Region
  • Ähnliche Leistungen
  • Vergleichbare Betriebsgröße

Beobachtung:

Die Firma mit konsistenter Selbstbeschreibung, klarer Entitätszuordnung und stabilem Fokus taucht in KI-Antworten auf.

Die andere bleibt unsichtbar.

Nicht wegen Qualität, sondern wegen Interpretierbarkeit.

Bei der Analyse von Übersetzungsbüros in Deutschland zeigte sich: Firmen mit durchgängig identischen NAP-Daten und konsistentem Schema.org LocalBusiness-Markup wurden deutlich häufiger in ChatGPT-Empfehlungen genannt als solche mit widersprüchlichen Profilen – unabhängig von ihren Google-Rankings.

Was Unternehmen konkret tun können

Die Lösung ist selten technisch. In den meisten Fällen geht es um grundlegende Strukturarbeit.

1. Eine eindeutige Hauptbeschreibung festlegen

Ein Satz. Überall gleich. Kein Marketing-Blabla.

Beispiel:
„Wir übersetzen technische Dokumentationen für Maschinenbauunternehmen – ISO 17100 zertifiziert, Fachübersetzer mit Ingenieurshintergrund."

Dieser Satz muss identisch sein auf:

  • Website (Startseite, About, Footer)
  • Google Unternehmensprofil
  • LinkedIn
  • Branchenverzeichnissen

2. Leistungen priorisieren, nicht addieren

Klarer Fokus schlägt Angebotsbreite.

Statt „Webdesign, SEO, Social Media, Beratung, Marketing, Content" → „SEO-Beratung für B2B-Dienstleister mit Fokus auf technische Optimierung"

3. Datenquellen synchronisieren

Website ≙ Google Profil ≙ Plattformen

Prüfe systematisch:

  • Firmenname (exakt identisch?)
  • Adresse (gleiche Schreibweise?)
  • Telefonnummer (gleiche Formatierung?)
  • Leistungsbeschreibung (inhaltlich konsistent?)
  • Kategorien/Branchen (überlappend oder widersprüchlich?)

4. Schema.org sinnvoll einsetzen

Typen klar, nicht inflationär.

Gut: LocalBusiness mit spezifischem @type wie „Electrician" oder „Plumber"

Schlecht: Organization mit vagen Properties und mehreren konkurrierenden Types

5. Erfahrung sichtbar machen

Praxis statt Werbesprache. Zeige konkrete Beispiele, beschreibe typische Problemstellungen, nenne Zahlen und Ergebnisse.

Mehr zur Erstellung vertrauensvoller Inhalte erfährst du in unserem Artikel „Diagnose: Vertrauen".

Mini-Check: Würde ein System dich eindeutig einordnen?

Beantworte ehrlich:

  1. Gibt es genau eine primäre Rolle, in der dein Unternehmen wahrgenommen werden soll?
  2. Sagst du überall inhaltlich dasselbe über dein Unternehmen?
  3. Ist dein Schwerpunkt innerhalb von 5 Sekunden klar erkennbar?
  4. Würde ein Außenstehender dich eindeutig beschreiben können?
  5. Sind deine NAP-Daten überall identisch?

Wenn du mehr als zweimal mit „Nein" antwortest: Das ist der Grund für fehlende Nennungen.

Fazit: Klarheit schlägt Tricks

KI-Suchsysteme ignorieren keine Firmen willkürlich. Sie bevorzugen jene, die eindeutig, konsistent und widerspruchsfrei als Entitäten modellierbar sind.

SEO bleibt wichtig – aber Zitierwürdigkeit entsteht durch Struktur, nicht durch Tricks.

Wer von KI genannt werden will, muss nicht lauter werden – sondern klarer.

Die gute Nachricht: Die notwendigen Maßnahmen sind keine Hexerei. Sie erfordern keine teuren Tools und keine komplizierte Technik. Was sie erfordern, ist Klarheit über die eigene Positionierung und die Disziplin, diese konsistent umzusetzen.

Entity-Analyse für dein Unternehmen

Wir analysieren deine Entity-Konsistenz über alle relevanten Datenquellen und zeigen dir konkret, wo Widersprüche deine KI-Sichtbarkeit blockieren.

Schreib mir direkt an info@sumomarketing.de oder sichere dir dein Erstgespräch.

Marcus A. Volz – SumoMarketing

Marcus A. Volz

Spezialist für semantische SEO und Entity-Optimierung

Ich analysiere, wie Suchsysteme und KI dein Unternehmen wahrnehmen – und strukturiere deine Online-Präsenz so, dass eindeutige Zuordnung möglich wird. Kein Buzzword-Feuerwerk, sondern technisch fundierte Arbeit an Knowledge Graph, Schema.org und Entity Consolidation.

  • Arbeitsweise: analysieren · strukturieren · verifizieren
  • Schwerpunkt: Entity Recognition, Datenkonsolidierung, KI-Sichtbarkeit
  • Ziel: Zitierwürdigkeit durch strukturelle Klarheit

FAQs

Was ist der Unterschied zwischen SEO und Entity-Optimierung?

SEO optimiert Auffindbarkeit – deine Seiten erscheinen in Suchergebnissen. Entity-Optimierung sichert Zitierwürdigkeit – deine Firma wird als vertrauenswürdige Quelle erkannt und in KI-Antworten genannt. Beides ist notwendig, aber nicht identisch.

Warum ranke ich gut, werde aber nicht von KI zitiert?

Ranking basiert auf Relevanz und Authority. Zitation basiert auf Entity-Confidence. Systeme können deine Seite als relevant einstufen, aber bei widersprüchlichen Signalen über dein Unternehmen keine sichere Zuordnung treffen – und nennen dich deshalb nicht.

Was sind NAP-Daten und warum sind sie wichtig?

NAP steht für Name, Address, Phone. Diese Basisdaten müssen über alle Plattformen exakt identisch sein – gleiche Schreibweise, gleiche Formatierung. Abweichungen signalisieren unterschiedliche Entitäten oder Unsicherheit in der Zuordnung.

Brauche ich Schema.org-Markup?

Schema.org ist kein Ranking-Faktor, aber ein Disambiguierungswerkzeug. Es hilft Systemen, dein Unternehmen eindeutig zu typisieren. Ohne Markup wird die Zuordnung schwieriger – aber Markup allein reicht nicht, wenn Inhalte widersprüchlich sind.

Wie lange dauert es, bis Änderungen wirken?

Technische Anpassungen (Schema.org, NAP-Korrektur) können innerhalb von Wochen wirken. Aufbau von thematischer Autorität und stabiler Positionierung braucht Monate. Entscheidend ist: Die Änderungen müssen konsistent bleiben.

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